"

Dienstag, 29. September 2015

Unabhängiger werden von Schnittmustern Teil 1 - Grundschnitte



Grundschnitt
    
Was ist das?

Einen passenden Grundschnitt zu besitzen ist für die Hobbyschneiderinnen häufig ein heißer Wunsch. Besonders dann, wenn sie keine Norm-Figur haben und bei vorgefertigten Schnittmustern viel anpassen müssen.

Der Ur-Grundschnitt ist die zweidimensionale Abbildung des eigentlich dreidimensionalen Körpers. Wenn er auf Stoff übertragen wird, dann passt er exact ohne weitere Anpassungen. Allerdings ist er nicht tragbar. In ihm kann sich nicht bewegt werden. Sowohl im englischen als auch im deutschen gibt es keinen extra Begriff für so eine Moulage - weshalb wir hier auf das französische Wort ausweichen. Ein alter Ausdruck aus dem Schneidergewerbe ist Futtertaille.

Für ein einigermaßen bequemes Kleidungsstück wird Zugabe erforderlich; einige Zentimeter Stoff an unterschiedlichen Stellen, die die Bewegung des Körpers erlauben. Der Fachausdruck dieses 'Mehr' ist  Bewegungszugabe (englisch: functional ease). Leicht vorstellbar ist das, wenn man sich vor Augen führt, dass der Bauchumfang beim Sitzen wächst und dass mehr Stoff unter der Achsel benötigt wird, wenn man den Arm über den Kopf heben will. Eine Moulage plus Bewegungszugabe ist dann der eigentliche Grundschnitt (englisch: sloper, basic block) der als Basis für viele verschiedene Modellschnitte dient.

Allein durch die  Verlegung der Abnäher lassen sich die unterschiedlichsten Designs gestalten. Häufig wird zu gestalterischen Zwecken aber auch Stoff hinzugefügt. Hier kommt also eine weitere Zugabe ins Spiel: Die Designzugabe (englisch: design ease). Aus dem engen Rockgrundschnitt wird durch Zugabe von etwas mehr Stoff ein A-Linien Rock oder durch Zugabe von ganz viel Stoff ein Tellerrock. Der Modellschnitt ist entstanden. Einen schönen Überblick über diese Zugaben und ihre Funktion findet ihr hier bei 'Professor Nadelkissen'.

Wie kommt man zu einem Grundschnitt?

Wir kennen grundsätzlich zwei Wege für die systematische Erstellung eines Grundschnittes: Das Modellieren (draping) oder die Schnittkonstruktion n. Maß auf dem Papier (pattern making).
Beide Techniken greifen in der Praxis allerdings ineinander. Wer einen Schnitt am Körper modelliert (absteckt) wird ihn anschließend auf Papier übertragen wollen, und umgekehrt wird ein auf der Fläche  entworfener Schnitt immer noch durch Abstecken am Körper angepasst werden müssen.

Das Draping wollen wir in unserem Thema 'Unabhängiger werden von Schnittmustern' nicht eingehender behandeln. An dieser Stelle dennoch ein Beispiel-Link zur Veranschaulichung: university of fashion-draping

Für die Schnittkonstruktion nach Maß gibt es weltweit sehr viele verschiedene Lehrsysteme.
  • Wer gerne aus Büchern lernt und die Deutsche Sprache bevorzugt, dem empfehlen wir:  
          Hofenbitzer, Bekleidung Schnittkonstruktion für Damenmode

          Gilewska, Schnittkonstruktion in der Mode
  • Online gibt es bislang keine deutschsprachigen Kurse. Aber die englischsprachigen Craftsy Kurse sind auch bei mittleren Sprachkenntnissen sehr zu      empfehlen, so wie beispielsweise das Angebot von 
          Suzy Furrer
  • Und man kann sich helfen lassen! So kann man sich beispielsweise in einem Schneideratelier einen Grundschnitt erstellen lassen. Das Atelier ist dann oft auch behilflich bei der Anpassung. Ein großer Vorteil!

  • Eine weitere Möglichkeit sind Konfektions-Grundschnitte von Schnittmusterfirmen: So bieten beispielsweise Vogue  Pattern, Butterick und McCalls Basis-Grundschnitte (Fitting  Shell  pattern) an,  und leiten dazu an, diese indivuduell anzupassen.

    Keinen passablen Grundschnitt bekommt man in der Regel bei diesen Onlineschnittmanufakturen. Das Internet ist voll von unzufriedenen Kundinnen. Je weniger persönliche Messdaten als Grundlage für den Schnitt benötigt werden, umso mehr orientiert sich die Software an üblichen Durchschnitten, und umso unbefriedigender das Ergebnis für die individuelle Figur.
    In diesem Zusammenhang sei aber noch das Angebot des Pattern Maker Programms erwähnt. Pattern Maker ist eigentlich eine Schnittmustersoftware für kleine und mittlere Hersteller Firmen. Mir ihr kann sich aber auch die Hobbyschneiderin kostenlos (!) einen persönlichen Grundschnitt nach Maß erstellen lassen. (europäische Seiteamerikanische Seite
    Geht es auch einfacher?
    • Wenn man sich schon mal ein engeres Kleid genäht hat (wenig Bewegungszugabe!) dann hat man einen 'versteckten' Grundschnitt. Um auf den klassischen Grundschnitt zurückzuführen, braucht es dann oft nur noch wenig; das Anzeichnen des engeren Halslochs, oder die Verkleinerung des erweiterten Armlochs z.B..
    • Und wer einen gut sitzenden Bleistiftrockschnitt hat, der hat die perfekte Basis um daraus viele Rockformen zu entwickeln.
    • Für einen Hosengrundschnitt empfiehlt es sich eine vorhandene gut sitzende Hose auseinander zu schneiden um den Schnitt abzunehmen. Hier spart man sich alle Arbeitsschritte der Konstruktion und hat die erste Anprobe sozusagen auch schon fertig. 
    Gekaufte Schnittmuster und der persönliche Grundschnitt. Was ist damit?

    Alle Schnittmusterfirmen haben als Grundlage für ihre Schnitte eine Musterfigur mit festgelegten Körpermassen, Längenmaßen und Umfängen und einer definierten BH Körbchengröße. Die Maße für jede Kleidungsgröße findet man in den jeweiligen Maßtabellen. Die befinden sich in der Regel auf den Internetseiten und häufig auch noch mal auf den Schnittmusterunterlagen aus Papier. Die Maße in den Tabellen entsprechen den Modellmaßen ohne Zugaben. Die drei großen amerikanischen Schnittmusterverlage und manche der Kleinen vermerken auf den Schnittmustern dann noch die tatsächlichen Maße (incl. Bewegungs- und Designzugaben). Das ist ein hilfreicher Service. Aber immer wieder auch die Ursache für Ärger, wenn die Designerzugabe z.B. nicht den Vorstellungen der Kundin entspricht oder das Modell (Zeichnung oder Photo) in die Irre führt. die drei großen amerikanischen Schnittmusterfirmen und Burda unterscheiden sich in ihren Maßtabellen nicht sehr.

    Ganz anders ist das bei den unabhängigen kleinen Schnittmusterverlagen. Die finden ihre Nischen genau in dieser Abgrenzung. Da gibt es Schnittmuster für typische Birnenformen oder solche für Frauen mit größeren Brüsten als einem B-Körbchen.

    Ein Grundschnitt? Mehrere Grundschnitte???

    Schon weit kommt man mit drei Grundschnitten: Einem Oberteilgrundschnitt mit passendem Ärmel, einem Rockgrundschnitt und einem Hosengrundschnitt. Oberteil- und Rockgrundschnitt zusammengefügt ergeben ein Kleid. Sinnvoll ist es auch, diese Grundschnitte nicht nur für Webstoff, sondern ebenfalls für Jersey bzw. Stretch anzupassen. Notwendig ist das denn Strick- und Webstoffe haben unterschiedlichen Eigenschaften. Für Strickstoffe wird in der Regel viel weniger Bewegungszugabe benötigt und manche Abnäher sind überflüssig denn der Stoff passt sich dem Körper besser an.

    Gute Grundschnitte sind allerdings noch keine Garantie für den perfekten Sitz. Jeder Stoff verhält sich anders. Alle Stoffe sind mehr oder weniger flexibel in der Fläche. Das hängt mit den verwendeten Fasern und der Web- bzw. Wirkart zusammen.

    Immer wird es eine Feinanpassung bei der Anprobe des fast fertigen Kleidungstücks geben müssen.

    Und wie geht es weiter?

    Wir Mema und Immi haben beide in den letzten Jahren Grundschnitte konstruiert und daraus Kleidungsstücke entwickelt. Und wir haben die Grundschnitte auch als Referenzobjekte für die Anpassung beim Nähen nach kommerziellen Schnittmustern genützt. Ein gut sitzender Ärmel und das dazu passende Armloch z.B. können gegebenenfalls einfach übertragen werden.

    In den nächsten Monaten wollen wir zeigen wie wir das gemacht haben. Und wir hoffen auf eure Beteiligung damit wir uns austauschen können.
    Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr einen Grundschnitt für euch aufgestellt und damit gearbeitet? Nützt ihr passende Schnittmuster oder Teile davon um Schnitte anzupassen? Wir sind sehr gespannt auf eure Beiträge!

    Bitte gebt uns per Kommentarfunktion kurz Bescheid wenn ihr etwas zum Thema gebloggt habt. Mema und ich werden alle Links sammeln und listen.



    Blogposts zum Thema Grundschnitte:

    http://miniextravaganz.blogspot.de/search/label/Basisschnitt


    http://www.von-mema.de/2015/10/05/meine-erfahrungen-mit-grundschnitten/


    http://immi-meyer-naehblog.blogspot.de/2015/10/meine-grundschnitte-und-wie-ich-sie.html


    http://www.crafteln.de/2015/10/unabhangiger-werden-von-schnittmustern.html

    Mittwoch, 9. September 2015

    Jeans Kleid - Klappe die zweite


    Me-Made-Mittwoch - wieder einmal! Weil ich ein paar Tage Kurzurlaub habe, ist das heute die Gelegenheit für mich ganz entspannt ein paar Fotos von meinem Jeanskleid mit Jacke (und Schuhen!) zu machen.

    Neulich in meinem ersten Post zum Kleid erzählte ich ja bereits davon, dass zur Zeit unsere Bahnunterführung von einer  Künstlerin mit Motiven aus dem Ort bemalt wird. Inzwischen fließt die Weser bereits den Gang der Unterführung herunter und wird von einem Frachter befahren - ich bin  heute am MMM sogar live im kreativen Prozess dabei! ;)


    Auf meinem Fußweg zur Bahnunterführung traf ich noch meinen netten Nachbarn, der ebenfalls gerade am Pinseln war.  Wir unterhielten uns eine Weile über dies und das. :-)


    Jaaa - o.k ... jetzt muss ich wohl mal meine Fotos vom Kleid zeigen, auch wenn sie keine Kunst darstellen mit der ich meinen Blog schmücken könnte.

    Während ich vormals die Saumkante der Ärmel und der Länge als fransende Schnittkante beließ, habe ich nun etwas ordentlichere Abschlüsse genäht, wobei ich die fertige Webkante meiner Stoffbahn verwendete.


    Nach langem Überlegen und hin- und her probieren entschloss ich mich für die kurze Jacke die auch noch nähte, die Webkante in der Ärmelnaht mitzufassen.


    Den Kragen den ich eigentlich vorhatte an zu nähen habe ich kurzerhand weggelassen Wobei ich nun überlege ihn (ohne weißen Rand) extra zu nähen zum dran- und abknöpfen.


    Und jetzt bin ich gespannt! Was sagt ihr zu meinen gepimpten Schuhen? Soviel Kreativität ist für mich ja eigentlich ungewöhnlich, aber ich konnte es nicht lassen die Fransen-Webkante auch noch am Schaft der Schuhe anzusetzen. Lass ich das oder mache ich es wieder ab - wie auch immer, es ist nur anstaffiert und mühelos wieder zu entfernen:



    Von dem Denim habe ich noch mehr. Blau ist eigentlich nicht meine Farbe aber ich dachte ich brauche einfach Abwechslung in meiner Farbpalette und muss weg von dem ewigen Braun. Schätze ich werde im Rahmen der Schnitte-Aktion 'Unabhängier werden v. Schnittmustern' auf jeden Fall noch einen Jeans Rock machen. Später womöglich auch noch eine Hose. Sehr gern würde ich die 'Ginger' probieren.

    ----

    Heute sind tolle Sachen beim MMM dabei, wie ich finde - allen voran das Kreativ-Projekt von Elle! Es macht richtig Spaß zu gucken, was ihr alles so fabriziert habt! :-)

    Dienstag, 8. September 2015

    ++ Schnitttechnik Mitmach-Aktion ++



    Mema und ich möchten uns bedanken für eure vielen und auch längeren Kommentare, die ihr auf unseren Blogs jeweils hinterlassen habt! Es sind schon jetzt sehr interessante Gespräche entstanden!
    Mit eurer Hilfe konnten wir nun ein Konzept erstellen, wie wir unser Thema 'Von Schnittmustern unabhängiger machen' hier in der Näh-Gemeinschaft behandeln wollen.

    Geplant ist eine Art Forum zum Thema, in dessen Rahmen Mema und ich kleinere Projekte verwirklichen und euch gleichzeitig zum Mitmachen anregen möchten (wir sammeln eure Links z. Thema, die ihr hier im Blog mit Hilfe eines einfachen Tools hinterlegen könnt).

    • Ende September:
    Alles über Grundschnitte!*  (Erfahrungsberichte, weiterführende Links etc. )

    • Ende November:
    Abnäherverlegung am Beispiel eines Rockgrundschnittes

    • Ende Oktober:
    Modellkonstruktion aus dem Grundschnitt, am Beispiel eines Kleides mit Wasserfall-Ausschnitt

    • Ende Dezember:
    Wie baut man sich ein persönliches Papiermodell und was kann man damit machen. (Sketch-Books)


    *Anmerkung der Redaktion: Die Auswertung eurer Kommentare hat ergeben, dass vielseits auch ein Interesse an einem guten Hosengrundschnitt besteht. Hosengrundschnitte werden unserem Themenkatalog also wohl noch hinzugefügt werden, - in irgendeiner Form.